Eröffnungs Rundgang in Bischofszell

Am Sonntagabend, 11. April 2021 um 21.00 Uhr, wurde der Turmwächter und die Nachtwächter der Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft für ein weiteres Einsatzjahr vereidigt. Stadtpräsident Thomas Weingart hatte diese abgenommen. Der Magistrat lobte die Arbeit der Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft. So würden sie in die Geschichte der Stadt eingehen, da sie im Sommer 2020 während drei Monaten am Donnerstagabend jeweils um 20.00 Uhr für 10 Minuten die Feuerglocke zu Ehren der weltweiten Corona-Opfer geläutet hatten. Es sei immer ein bewegender Moment gewesen. Für den Rundgang vom 11.04. wurden die Gäste angehalten eine Maske zutragen und auf dem Rundgang die entsprechenden Abstände zu halten.  

Viele Bewohner der Altstadt, so wurde den Nachtwächtern mitgeteilt, hätten die Fenster geöffnet und in Besinnlichkeit zugehört. In diesen Frühling der hat der Bundesrat zum Läuten der Glocken in der ganzen Schweiz aufgerufen (Gedenkläuten). Auch die Bischofszeller Nachtwächter machten mit. Im Gegensatz zum letzten Sommer fiel uns das dieses Jahr weit schwerer, weil wir für Menschen läuteten die wir gekannt haben!

Im Anhang senden wir euch den Zeitungsbericht des Rundgangs vom 11.04.2021.

Tragt Sorge zu euch!

Mit wächterlichen Grüssen aus der Schweiz    

Mit dem Nachtwächter auf den Spuren Napoleons und der Lübbener Lausbuben

“Im goldenen Schein des Mondes ist kein Rundgang wie der andere”, sagt Frank Selbitz, seines Zeichens Nachtwächter der Stadt Lübben und das mit dem Erfahrungsschatz aus knapp 2.000 gelaufenen Runden durch Straßen und Gassen. Punkt 13 nach neun geht’s los und warum genau dann, erfährt man in den frech frivolen Geschichten zur Geschichte, die er in einem Buch zusammengetragen hat. Oder besser, wenn man an einer nächtlichen Tour teilnimmt.

Diese führt in etwa zwei Stunden am Brauhaus vorbei, zum Hexenturm, dem “verruchtesten” Ort der Stadt, bis hin zum Schloss – immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen, immer mit Augenzwinkern, immer mit Geschichten zu Sprichworten und Histörchen.

Seit 1994 erschallt der bekannte Ruf „Hört Ihr Herrn …“ des Dienstältesten Nachtwächters im Osten Deutschlands. Anders als seine Zunftgenossen früherer Jahrhunderte ist der hiesige beliebt und geachtet. Früher, so weiß er, ward der Nachtwächter nicht gern gesehen und sogar verachtet, ob seiner ärmlichen Kleidung und seines ärmlichen Jobs. Wer lässt sich schon gern aus dem Wirtshaus vertreiben? Also bestach man den Wächter mit einem Sechser und Schnaps. Seitdem floss viel Wasser die Spree hinab.

Frank Selbitz hat die Gabe, auch in tiefster Dunkelheit seinen Gästen in die Augen zu schauen und ihnen die Probleme des Alltags zu nehmen. Er ist absolut authentisch. “Ich BIN der Nachtwächter. Man muss das leben.” Ausgestattet mit Kutschermantel und Laterne ähnelt er seinen Vorgängern auf alten Postkarten enorm. Modern und zeitgemäß ist sein Blick auf das, was in Lübben aktuell geschieht. Und so sagt der Gast in der Gewissheit “Gute Nacht”, dass Lübben ein Dreivierteljahrhundert nach seiner Zerstörung eine nie dagewesene positive nächtliche Ausstrahlung hat und ein unvergesslich freundliches Gesicht.

Nachtwächter Premiere 2021 – traditionell Karfreitag

Seit 27 Jahren ist es in Lübben Tradition, dass der Nachtwächter zum Karfreitag seine erste Runde durch die Stadt geht. Pünktlich, als die Glocke der Paul-Gerhardt-Kirche die neunte Stunde schlagen müsste, ertönte der Stundenruf der Neunten Stunde.

Dabei ist 2021 erneut ein besonderes Jahr, denn wie in „alten Zeiten“ ging der Nachtwächter allein seine Runde durch die menschenleere Stadt. Einzig der Schein der Straßenlaternen schien der „kleine“ Unterschied zu seinen eigentlichen Dienstzeiten zu sein, denn elektrisches Licht hielt in Lübben erst vor 100 Jahren seinen Einzug. Bis dahin waren es seit Napoleonischen Zeiten Gaslaternen, die für spärlichen Lichterschimmer sorgten.

Es war keine gewöhnliche Tour durch die Straßen und Gassen der Stadt, denn Lübbens Nachtwächter thematisierte zum Karfreitag 2021 „Denk der sieben Worte nach, die Jesu Christ am Kreuz sprach“. So manches Fenster öffnete sich und unter damit gegebener Wahrung des Abstands dankte manch Lübbener Bürger für „etwas Normalität in schweren Zeiten“.

Am Turm der Paul-Gerhardt-Kirche endete zur zehnten Stunde dieses Jahr die Runde mit dessen Worten „Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit“ und dem sich anschließenden leicht veränderten Stundenruf „Zehn Verbote setzte die Regierung ein, hofft, dass das Volk wird gehorsam sein … der Herr in seiner Güte und Macht schenke dem Städtchen eine Stille Nacht“.