Mit dem Nachtwächter auf den Spuren Napoleons und der Lübbener Lausbuben

“Im goldenen Schein des Mondes ist kein Rundgang wie der andere”, sagt Frank Selbitz, seines Zeichens Nachtwächter der Stadt Lübben und das mit dem Erfahrungsschatz aus knapp 2.000 gelaufenen Runden durch Straßen und Gassen. Punkt 13 nach neun geht’s los und warum genau dann, erfährt man in den frech frivolen Geschichten zur Geschichte, die er in einem Buch zusammengetragen hat. Oder besser, wenn man an einer nächtlichen Tour teilnimmt.

Diese führt in etwa zwei Stunden am Brauhaus vorbei, zum Hexenturm, dem “verruchtesten” Ort der Stadt, bis hin zum Schloss – immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen, immer mit Augenzwinkern, immer mit Geschichten zu Sprichworten und Histörchen.

Seit 1994 erschallt der bekannte Ruf „Hört Ihr Herrn …“ des Dienstältesten Nachtwächters im Osten Deutschlands. Anders als seine Zunftgenossen früherer Jahrhunderte ist der hiesige beliebt und geachtet. Früher, so weiß er, ward der Nachtwächter nicht gern gesehen und sogar verachtet, ob seiner ärmlichen Kleidung und seines ärmlichen Jobs. Wer lässt sich schon gern aus dem Wirtshaus vertreiben? Also bestach man den Wächter mit einem Sechser und Schnaps. Seitdem floss viel Wasser die Spree hinab.

Frank Selbitz hat die Gabe, auch in tiefster Dunkelheit seinen Gästen in die Augen zu schauen und ihnen die Probleme des Alltags zu nehmen. Er ist absolut authentisch. “Ich BIN der Nachtwächter. Man muss das leben.” Ausgestattet mit Kutschermantel und Laterne ähnelt er seinen Vorgängern auf alten Postkarten enorm. Modern und zeitgemäß ist sein Blick auf das, was in Lübben aktuell geschieht. Und so sagt der Gast in der Gewissheit “Gute Nacht”, dass Lübben ein Dreivierteljahrhundert nach seiner Zerstörung eine nie dagewesene positive nächtliche Ausstrahlung hat und ein unvergesslich freundliches Gesicht.

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